Ausschnitt aus dem Skript Saccharum raffinatum:

 

C1-Verreibung
Das Thema

(12. 01. 2001)
 

1. Phase
Das Thema selbst

  Zucker will „mühsam“ erarbeitet sein 

Dies werdet ihr auf diesem Seminar erleben. Dies ist auch der leichte Einstieg, es „mühsam“ erarbeiten zu dürfen.  Nur, was wir Menschen uns selbst erarbeiten, mit dem kommen wir auch wirklich in Beziehung.  

Die Mühsal (das Erarbeiten) ist etwas, was ihr Menschen könnt. Jeder andere Einstieg ist von euch nicht so erarbeitbar und damit viel fremder, unzugänglicher und somit nicht leicht. Vielmehr könnt ihr euch vollkommen darin verlieren.  

Über den Zucker (Kohlenstoffkette) erfolgt auch der Einstieg in die Welt der Kohlenstoffe und des Materialismus. Dies wurde zu Beginn des Seminars in Anlehnung an Aussagen von C4-Texten von Witold Ehrler dargestellt. Der Zucker bedeutet mühsame Arbeit, und doch ist er für uns Menschen eine Möglichkeit, relativ leicht Zugang zur Welt des Kohlenstoffs zu finden. Zucker ist ein Stoff und eine Kraft, die uns Menschen nah ist. Kohle, Erdöl, Asche sind für uns Menschen als Vertreter des Kohlenstoffs viel weniger zugänglich. Mit dieser Eröffnung der Thematik wird auch deutlich, dass es in der Verreibung allgemein um den Zucker und das Thema des Kohlenstoffs geht und ganz speziell um die Saccharose.  

Zucker ist Arbeit – konservierte, bereitstehende Arbeit. Das (Arbeit) verlangt dieser Zucker nun von euch! Insofern ist er sehr ehrlich und materiell. Das ist euer Zugang zum Zucker – der euch gegebene Zugang.  

Die Begegnung mit dem Zucker verlangt von uns Arbeit. So können wir uns dieser Kraft nähern. Über die Arbeit finden wir dann seinen ehrlichen Ausdruck. Das Materielle ist durch seine Manifestation für uns Menschen als Tatsache des Lebens wahrnehmbar. Hier beim Zucker geht es um die Tatsachen des Lebens, wie sie sich in ihren materiellen Auswirkungen zeigen.  

Das zeigt auch die Verfälschung, wenn ihr ihn euch nicht erarbeitet. Es gibt immer etwas, jemanden, der dann diese Arbeit  für euch geleistet hat. Diesem ist dann der Zucker geraubt. Und euch ist die Arbeit geraubt, die euer wahrer Gewinn ist bzw. wäre. Das ist der wesentliche Aspekt. Wer hat die Arbeit und den aus dem Prozess erwachsenden Gewinn? Dieser Gewinn lässt sich nicht rauben.  

Wenn wir versuchen, dem Zucker zu begegnen, ohne uns dies zu erarbeiten, dann ist das Ergebnis eine Verfälschung. Wir haben uns selbst der Möglichkeit der Erarbeitung beraubt. Wenn der Zucker Lohn harter Arbeit ist, dann kann der Lohn nie Ergebnis nicht geleisteter Arbeit sein. Physiologisch wird in unserem Körper dann Zucker bereitgestellt, wenn wir unsere Muskeln gebrauchen. Dieses Ergebnis lässt sich nicht erreichen, wenn wir jemanden anderen dazu bringen, sich körperlich anzustrengen. Hier ist der Zucker in seinem materiellen Ausdruck ganz ehrlich. Zucker ist also für uns nur „wahr“, wenn wir ihn uns erarbeiten. Das gilt in allen Dimensionen menschlichen Seins.  

Also:

·        Der leichte Zugang ist, dass ihr die Arbeit leisten könnt –, dass es diesen eigenen (menschlichen) Zugang zur Zuckerkraft gibt.

·        Der Gewinn ist, diese Arbeit geleistet zu haben.

·        Der materielle Zucker ist ein Ausdruck dieser Leistung.

·        Dieser Ausdruck ist nur „wahr“, wenn ihm die Arbeit zugrunde liegt.

 

Industrialisierung oder Kolonialismus sind gesellschaftliche Entwicklungen, die den Bezug zwischen eigener geleisteter Arbeit und dem äußerlichen Ausdruck des Ertrags dieser Arbeit trennen. 

Im Leben werden sich sehr vielfältige Formen finden lassen, in denen die geleistete Arbeit und ihr materieller Ertrag getrennt sind. Wie oben angedeutet, haben sich aus dieser Tatsache ganze Gesellschafts- und Wirtschaftsformen herausgebildet. Die Folge sind große Spannungen verschiedenster Art zwischen den Menschen.

2. Phase
Die Gefühlswelt

Auf die Gefühle bezogen heißt das: Es sind nur deine wirklichen, ehrlichen Gefühle, wenn sie aus deinem Sein – in diesem Fall: – aus deiner mühseligen Arbeit stammen. Es sind dann Gefühle des Glücks, tiefster Befriedigung und Freude, der Erfüllung.  Das ist der wahre Ausdruck des Zuckers, wie er in den Menschen angelegt ist.  

Außerhalb dieser Beziehung gibt es den „versuchten Ausdruck“ des Zuckers. Als hätten die Menschen die Arbeit geleistet und damit diese Gefühle erreicht. Da diese aber nicht „wahr“ sind, nicht eure sind, die euch zugehören, ist es ein drogenartiger Aspekt.

Gefühle des Glücks, der Erfüllung, tiefster Befriedigung und Freude erwachsen aus der mühseligen Arbeit. Das sind die Gefühle des selbst erarbeiteten Zuckers (physiologisch als materieller Zucker feststellbar, den der Körper bei der Arbeit selbst produziert), und damit sind sie wirklich und ehrlich.

 Mit dem „versuchten Ausdruck“ des Zuckers ist die äußere Zufuhr von Zucker über das Maß hinaus, wie ihn die Natur (Honig, Pflanzen) nur ausnahmsweise von außen zur Verfügung stellt, gemeint. Durch den Konsum dieses (von außen zugeführten) Zuckers versuchen wir, in uns die Gefühle zu wecken, die normalerweise durch Arbeit und Mühsal erreicht werden oder ein seltenes Geschenk der Natur (Honig, Pflanzen) sind.  

Da die nicht durch eigene Mühsal erarbeitete, äußere Zufuhr von Zucker nie zu den wahren Gefühlen der Erfüllung führt, bleibt die Bedürftigkeit nach tiefster Befriedigung, Freude, Erfüllung und Glück erhalten bzw. vergrößert sich mit vermehrter Zufuhr, da auf die eigene Erarbeitung durch das scheinbare Erreichen der angestrebten Gefühle aus dem Konsum des Zuckers immer mehr verzichtet wird. Die Versuchung einer immer weiteren Steigerung der äußeren Zufuhr wird durch den sich zunehmend vergrößernden Mangel laufend weiter verstärkt (drogenartiger Aspekt).  

Also:

·        Der Zucker ist Ausdruck davon, etwas erreicht zu haben, in der Welt gearbeitet zu haben, und das ist gelungen.

·        Das zu erleben bedeutet allerschönste Gefühle – zu Recht.

·        Aber: Es geht über die Mühsal, die Arbeit, vielleicht auch über die Entbehrung.

 

 Die Aussagen der Verreibung unterscheiden zwei Gesichtspunkte:

1.      Der natürliche Ausdruck des Zuckers, wie er in unserem Körper und in der Natur vorkommt (Blutzucker, Milchzucker, Honig, süße Früchte etc.).

2.      Die kulturelle Erscheinung des Zuckers (raffinierter Zucker, Industriezucker), der als Extrakt in großen Mengen produziert wird und so auch konsumiert werden kann.

Das gibt recht unterschiedliche Aspekte der gleichen Sache (Zuckerkraft). Entsprechend unterschiedlich stellen sich auch die bisherigen Ergebnisse der homöopathischen Erforschung des Zuckers dar.  

Man kann sich bei der homöopathischen Erforschung der Zuckerkraft mehr auf den natürlichen Ausdruck, wie er in der Natur vorkommt, konzentrieren oder auf den kulturellen Ausdruck des raffinierten Zuckers und seines Konsums. 

So wie der Zucker natürlich in unserem Leben vorkommt, ist der Konsum, insbesondere der übermäßige Konsum von Honig, Trockenfrüchten etc. kein wichtiger Aspekt. Da geht es um den Zucker, den wir in unserem Körper als Energielieferant und -speicher zur Verfügung haben und den wir für die Arbeit benötigen. Er ist eine Kraft, die unserem Leben die notwendige Energie gibt. Zugleich ist der Zucker ein Ausdruck unserer Anstrengung, im Leben „Ziele“ zu erreichen. 

Kulturell ist der Ausdruck der Zuckerkraft heute ein anderer. Heute geht es um die (massive) äußere Zufuhr, der keine (ehrliche) Anstrengung zugrunde liegt. Vielmehr (im Hintergrund höre ich im Radio gerade das Lied „Brown sugar“) geht es hier um den Versuch, ohne eigene Anstrengung den Zustand zu erreichen, der Ergebnis eigener Anstrengung wäre: Glück und Befriedigung. Das schafft aber in Wahrheit nur Leere und fehlende Erfüllung. Damit kommt der Mensch in ein Drogenthema. Er versucht einen einfachen Weg (Abkürzung) zu dem Ziel zu gehen, zu dem aber nur ein beschwerlicher Weg führt. Zudem greift der Mensch auf „mineralischen“ Zucker zurück, der aus dem Lebenskreislauf isoliert wurde. Damit wird eine künstliche Welt betreten, die ihren eigenen Gesetzen folgt. Dieser raffinierte, „mineralische“ Zucker dient der Welt der künstlichen (nicht wirklichen) Befriedigung menschlicher Bedürfnisse.

3. Phase
Das geistige Verständnis

Wie ist das mit dem Zucker und dem Geist? 

Wenn du die Arbeit, die Mühsal ehrlich geleistet hast, dann hat das ein Ergebnis (nicht allein ein materielles), das dich erfreut. Das ist auch für deinen Geist ein Ergebnis. All diese Arbeit führt zur Erkenntnis dessen, was du bearbeitet hast: Wie reagiert die Welt – dieser Ausschnitt der Welt – auf deine Arbeit? 

Hierdurch lernt ihr Menschen, die Welt zu verstehen, Zusammenhänge werden deutlich, wie das eine das andere bedingt. Also: Ein kausales Verständnis erwächst aus der Arbeit. Das ist ein Ergebnis, das ihr nun habt. Auch hier gilt: Der Mensch hat es nur, wenn er es sich erarbeitet. Niemand kann es den Menschen schenken.  Hier ist ein Aspekt des heutigen kulturellen Einsatzes des Zuckers: Erkenntnis wird als Derivat angenommen, aus Büchern, aus Lehrsätzen, die wegen ihrer Vermittlungsinstitutionen als wahr genommen werden, nicht wegen der eigenen Erfahrungen. 

Der Zucker ermöglicht Arbeit. Er gibt dem Menschen die notwendige Energie, seine Welt zu gestalten. Für den Geist wird die Welt so erfahrbar. Die Welt reagiert in ihrer spezifischen Art auf die menschliche Arbeit. Wenn die Arbeit des Menschen in der Welt erkennbare Folgen hat, dann erwächst hieraus ein kausales Verständnis. Dieser Erkenntnis liegt die direkte Erfahrung zugrunde. Nur solche selbst erfahrene Erkenntnis ist wirklich. Erkenntnis muss immer selbst gewonnen werden. 

Wenn der Mensch aus Büchern, in Schulen oder sonstigen Ausbildungseinrichtungen oder in den Medien erfährt, dass bestimmte kausale Zusammenhänge so gelten (sollen), dann liegt dem meist keine eigene Erfahrung und auch keine Arbeit zugrunde. Dann ist es scheinbar möglich, Erkenntnis über die Welt zu gewinnen, ohne eigene Erfahrungen machen zu müssen. Dann werden Lehrsätze zum Ersatz für Erfahrung. Diese Lehrsätze gelten, weil sie anerkannt werden, von Autoritäten gestützt sind. Hier werden nur scheinbar Erkenntnisse über die Welt gewonnen. Auch das ist für den Menschen sehr verführerisch, kennzeichnet aber einen Mangel an eigener geistiger Entwicklung. 

Was ihr aus der gewonnenen Erkenntnis, wie die Welt funktioniert, macht, ist ein neues Thema. 

Es folgt eine Klarstellung: Das Phänomen, dass die Erkenntnis, dass eine Tat Folgen hat, zu einem kausalen Verständnis führt, was die Zuckerkraft fördert, sagt noch nichts darüber aus, was der Mensch mit diesem kausalen Verständnis macht. Vielmehr sind die Motive und Impulse des Menschen, seine gewonnenen Erkenntnis zu gebrauchen, ein anderes nicht allein vom Zucker abhängiges Thema.  

Hier wird der instrumentelle Charakter des Zuckers für den Menschen betont. Zucker ist Energie, die dem Menschen Arbeit ermöglicht. Zucker erlaubt hierüber ein kausales Verständnis und eine Erkenntnis der Welt. Die Lebensaufgaben und -themen, wofür der Mensch sich einsetzt, unterliegen anderen Bestimmungen als der Zuckerkraft. Es lässt sich vermuten, dass, wenn Zucker zum Selbstzweck wird, wie es sich im „mineralischen“, raffinierten Zucker ausdrückt, entscheidende menschliche Lebensinhalte übersehen werden. Doch hierzu wird die weitere Verreibung noch mehr sagen. 

Die Natur schenkt euch Menschen den Zucker in geringen Mengen, um euch bei „Laune“ zu halten. Einfach so als „Belohnung“, weil ihr tagtäglich in diesem Leben seid – nicht so sehr für eure direkte Arbeit. Das ist auch ein Aspekt der Schöpfung, etwas zu schenken, was nicht „verdient“ ist.  

Es folgt eine weitere Aussage zum Verständnis des Zuckers. Zucker ist nicht nur das Ergebnis mühseliger Arbeit, sondern wird uns Menschen auch von der Natur als natürlich vorkommender Zucker geschenkt. Hierdurch kommt auch die grundsätzliche Möglichkeit in die Welt, Zucker ohne eigene Arbeit zu erhalten. Diese grundsätzliche Möglichkeit ist auch Teil unserer Lebenserfahrungen, unseres Weltverständnisses und unserer Handlungsmotivation. Die Aussage der Verreibung betont, dass es zum Leben gehört, auch „unverdient“ eine Belohnung zu erhalten. Eine Erfahrung, die sicher unsere früheste Kindheit prägt. Mir scheint das wie eine Belohnung, dass wir in das materielle, irdische Leben getreten sind. Es zeigt uns die „einfachen“, „paradiesischen“ Seiten des irdischen Daseins. Damit wäre es auch eine Frage unserer persönlichen Reife, inwiefern wir akzeptieren, dass das Leben unsere mühsame Arbeit fordert.  

Im Wesentlichen müsst ihr jedoch Arbeit für den Zucker leisten. Das heißt, er ist in eurem Körper materiell als Antwort auf Arbeit vorhanden.  

Bestimmend für unser irdisches Dasein ist aber, dass die Zuckerproduktion im eigenen Körper von der geleisteten Arbeit abhängig ist.

4. Phase
Das Wesen

Nun zu eurer höheren Seele: 

Sie hat mit dem Zucker nicht viel zu tun. Sie findet in seinem Ausdruck (des Zuckers) mehr die geschaffenen Voraussetzungen für ihr irdisches Dasein. Ansonsten ist sie dem Zucker gegenüber eher indifferent. Die Süße des Zuckers ist nicht ihre Sache. Fast entfremdet sie den Körper von der Seele.  

Zucker ist nicht die Kraft, die auf die höhere Seele gerichtet ist. Zucker ist vielmehr dafür verantwortlich, dass die höhere Seele in ihrem Sein auf die irdischen Tatsachen trifft. Zucker ist Energie für die irdischen Körper, nicht für die Seele. Aus dem Kohlenstoff wird die materielle Welt gebaut. In diese Welt kommt die Seele, sie bildet die Voraussetzung für eine irdische Existenz. Richtet sich der Körper ganz an der Zuckerkraft aus, so entfremdet er sich von der Seele.  

Die Dosierung des Zuckers im Körper, im Gefühl und im Geist ist für die Verbindung zur Seele von großer Bedeutung. Zucker dient nur dazu, die Funktion der drei Körper (physischer Körper, Gefühlsköper, Geistkörper) für die Seele bereit zu halten. Zuviel Zucker führt diese drei Körper weg von der Seele; lässt die drei Körper in sich selbst zufrieden sein, als hätten sie einen eigenen Zweck unabhängig von der Seele. Diesen Zweck stellt die Zuckerkraft scheinbar. (Das Leben ist süß.) 

Das ist die Lach- und Spaßgesellschaft und tiefe innere Unzufriedenheit bzw. Unbefriedigtheit.  

Der Zucker stellt die Funktion der irdischen Körper sicher, in die sich die Seele inkarniert. Ein Übermaß an Zucker, wie es in unserer heutigen westlichen Kultur allgemein verbreitet ist, entfremdet die irdischen Körper von der Seele. Der Zucker gibt ihnen so etwas wie einen eigenen Lebenszweck in der „Süße“ des irdischen Daseins.  

Ein Ausdruck hiervon ist die Lach- und Spaßgesellschaft. Hier gelten die Werte der Belohnung des Daseins durch immer neuen Spaß. Doch diese Haltung führt nicht zur Erfüllung, sondern zu tiefer Unzufriedenheit, da die Lebensaufgaben des Menschen, wie sie die Seele vorgibt, keine Beachtung finden, und damit der Mensch seine so gegebenen Ziele nie erreicht. 

5. Phase
Das Kollektiv

Wie ist das mit dem Zucker und eurer Kultur? 

Wie gesagt: Lach- und Spaßgesellschaft, tiefe Unbefriedigtheit. Aber das ist nicht alles. Davor steht ja der Prozess, eben ohne eigene Mühsal Zucker zu erhalten.

Wer hat dann die Mühsal?

Die anderen. Die eigene Seele bleibt leer. 

Will man den Lohn (Ertrag) der Arbeit, aber nicht die Arbeit, muss man andere Menschen für sich arbeiten lassen. In der menschlichen Kultur drücken sich solche Beziehungen aus. Der eine Mensch versucht von der Arbeit des anderen zu profitieren. Doch dann bleibt die eigene Seele leer. Es ist eben nicht die eigene Mühsal, die dem materiell angeeigneten Ergebnis zugrunde liegt. 

Das führt zu vielfältigen Ausgleichsprozessen. Das menschliche Erleben mit Seelenbezug wird über ein großes Leid erwirkt. Das Leid steigt, bis das Erleben in Bezug auf die Seele eintritt.  

Auf dieser Ebene des Menschheitskörpers, bei dem nicht das menschliche Individuum Zielpunkt ist, steigt das Leid ganz stark an bestimmten Punkten des Menschheitskörpers. Hier wird die Lebenserfahrung für die Seele zutiefst verwirklicht. 

Hier wird angedeutet, dass das Leben immer zu den tiefen Seelenerfahrungen führen soll und das über das Leid auch erzwungen wird. Zugleich gilt auf der Ebene der C5 diese Aussage für den ganzen Menschheitskörper. Das heißt, die tiefe Seelenerfahrung tritt ein, sie wird durch das Leid erzwungen und tritt an bestimmten Punkten des Menschheitskörpers ein, dort wo die Arbeit geleistet wird und nicht bei den Menschen, die sich den materiellen Ertrag der Arbeit aneignen. 

Für mich ergibt sich hier ein Bild, dass z.B. zu Zeiten der Versklavung der schwarzen Bevölkerung Afrikas durch die weißen Europäer die Sklaven die Arbeit und das Leid zu tragen hatten. Die Sklavenhalter und alle Profiteure dieses Systems versuchten sich den Lohn der Arbeit anzueignen, ohne selbst die Mühsal auf sich zu nehmen. Für den Menschheitskörper war die Arbeit (und damit auch die Seelenerfahrung) zwar ungleich an bestimmten Positionen verteilt, wurde aber insgesamt für den Menschheitskörper geleistet. 

Dieses Verständnis ist keinesfalls eine Rechtfertigung der Ausbeutung von Menschen, sondern verweist einfach auf unbestreitbare Tatsachen. So ist es in der Welt geschehen und geschieht es. Letztlich wäre die Erkenntnis für das Individuum aus diesen Tatsachen, dass es sich selbst beraubt, wenn es versucht, andere Menschen zu berauben.  

 Der Gesamtprozess in der Zuckerkraft lässt sich jedoch durch individuelle Verweigerung der Mühsal, bzw. ihre Verlagerung auf andere (abhängige) Menschen, nicht aufhalten. Er findet im Menschheitskörper dann eben sehr ungleich verteilt statt.

Es lässt sich auch noch ein anderer Bezug herstellen, der mehr auf das Individuum und weniger die kollektive Menschheitsebene bezogen ist. Oft erzwingt das Leben als Reaktion auf den „Missbrauch“ des Zuckers, durch Krankheit (z.B. Diabetes, Karies), Unfälle, Schicksalsschläge, dass das Individuum dann doch selbst die Mühsal auf sich nimmt.   

Mir ist warm, ich schwitze. Dieser Teil der Verreibung macht mir Schwierigkeiten: die kollektive Sicht, in der der Einzelne scheinbar keine Rolle spielt. Das liegt an meiner geistigen Bewertung. Ich bewerte das, was ich verstehe, mit gut und schlecht. Ein Prozess, in dem  Einzelne im Namen des Gesamtmenschheitskörpers zu leiden haben, weil andere dem Leben nicht wahrhaft begegnen, widerspricht meiner Moral. Das hinterlässt bei mir ein sehr unangenehmes Gefühl. Am liebsten möchte ich nicht wahrhaben, dass das zu unserem Menschsein gehört.  

Jedoch genau diese Zusammenhänge sind auch Aussage des Christentums. Christus nimmt Leid auf sich und erlöst damit andere Menschen. Damit nimmt er die Schuld (Weigerung zu eigener Mühsal und tiefer Seelenerfahrung?) auf sich. Dass solche Aspekte des Lebens, die den Charakter von Erlösung und Unberechenbarkeit haben, auch zum Thema der Zuckerkraft gehören, zeigt sich noch deutlicher in der C3-Verreibung.  

Bei einer solchen bewertenden Betrachtung, zu der uns die Zuckerkraft auch bringt, sollten wir immer beachten, dass wir viele Zusammenhänge nicht kennen oder nur in kleinen Ansätzen verstehen. Dass kollektive Prozesse im Wirken der Zuckerkraft zu einer ungleichen Verteilung des Leids auf individuelle Menschen führt, sagt noch nichts über längerfristige Ausgleichsprozesse, Lebensaufgaben und -themen aus.  

Andererseits: Offensichtlich sind die Tatsachen des Lebens und der Ausdruck der Kultur so. Das sind tatsächlich sehr schmerzhafte Tatsachen (Sklaverei, Industrialisierung, Kolonialismus etc.). 

Die Menschheitsgeschichte ist voller Ausbeutung. Menschen zwingen andere dazu, ihnen die materiellen Früchte ihrer Arbeit zu übereignen. Dies geschieht oft mit grausamen Zwangssystemen. Die Zuckerkraft bringt uns auch zu einer realistischen Betrachtung der Tatsachen des Lebens.

6. Phase
Die archetypische Kraft

Ich muss mich nach den Eindrücken der fünften Phase erst wieder beruhigen. Die starke innere Bewegung erscheint mir als eine Aufforderung, die C5-Stufe des Zuckers auch in der Gruppe zu verreiben, um hier eine Weiterentwicklung zu ermöglichen. Denn in diesem kollektiven Zuckerthema stecken wir Menschen ganz tief und problembehaftet.  

Nun zur C6 (gemeint ist die sechste Phase der C1, die durch ihren Bezug zur Lebenskraft selbst bereits die C6 vorstellt): 

Die Kraft des Zuckers ohne euch Menschen. Sie lässt die Taten der Lebewesen geschehen (setzt sie um). Gibt der Schwefel den Impuls, so gibt der Zucker die Versorgung für die Taten.  

Gleichnis: So wie das Benzin den Motor laufen lässt. 

Vor einer Begegnung auf der Ebene der Kraft selbst (C6) lastet noch ganz stark eine dunkle kollektive Ebene (C5), die kaum geklärt ist und deren Klärung noch sehr viel Arbeit von uns fordert.  

Ich schwitze immer noch – wie aus Schwäche.  

Diese schwarze, kollektive Dimension erscheint mir sehr, sehr schwierig und belastet. Ich habe ein flaues Gefühl. 

In der sechsten Phase stellt sich der Zucker als die Kraft vor, die das irdische Leben versorgt, damit es geschehen kann. So wie das Benzin dem Auto die notwendige Energie für seine Bewegung gibt, so versorgt der Zucker die Lebewesen, damit sie ihre Taten vollbringen können. Zucker hängt dabei eng mit der Schwefelkraft zusammen, die die Impulse für das setzt, was der Zucker dann mit der notwendigen Energie versorgt. 

Dass Zucker mühsam erarbeitet sein will, zeigt auch meine Reaktion auf die fünfte Phase. Die kollektiven Aspekte des Zuckers erfordern von mir noch seelische Arbeit, die in der C1-Verreibung nicht geleistet werden konnte. Was bleibt, ist ein flaues Gefühl, wie eine Unterzuckerung.

Zusammenfassung C1

In der C1-Verreibung stellt sich das Thema der Zuckerkraft in den Dimensionen von C1 (Thema, Struktur, Körper), C2 (Gefühlswelt), C3 (geistiges Verständnis), C4 (Wesen), C5 (Kollektiv), C6 (archetypische Kraft) vor.  

In der ersten Phase der C1-Verreibung geht es um den Einstieg, den Zugang zu dieser Kraft. Über den Zucker können wir Menschen uns dem Thema des Kohlenstoffs und des Materialismus nähern. Es ist ein Zugang, der mühsam erarbeitet sein will. So wie der menschliche Körper den Muskeln im Prozess körperlicher Arbeit Zucker zur Verfügung stellt, so finden wir durch Mühsal Zugang zur Zuckerkraft. Zucker ist konservierte Arbeit bzw. Energie für alle Prozesse des Gestaltens der Welt.  

Leisten wir Menschen nicht diese Arbeit, verschaffen uns aber trotzdem Zugang zum Zucker, ohne dass dieser uns von der Natur geschenkt wird, verfälschen wir den Zusammenhang zwischen Arbeit und Zucker und es findet ein Raub statt. Materiell bedeutet das den Versuch, den Ertrag der Arbeit anderer Menschen zu rauben. In einem übergeordneten Sinne berauben wir uns selbst des Ertrags, da wir die Arbeit nicht leisten. 

Die Natur schenkt uns in geringem Maße den Zucker. Materiell in Form von Honig (Blütennektar), süßen Früchten, Wurzeln oder Stängeln. Dieses Geschenk ist wie eine Verheißung paradiesischer Verhältnisse, süßes Leben ohne Mühsal. Die Versuchung, dieses Leben erlangen zu wollen, ist groß, wie der Zuckerkonsum in unserer Kultur beweist. 

In der zweiten Phase der C1-Verreibung geht es um die Gefühle. Der Zucker schenkt uns Gefühle des Glücks, der Freude und der Erfüllung. Doch auch hier heißt es wieder, diese Gefühle sind nur „wahr“, wenn sie aus der eigenen Arbeit erwachsen. Dann sind sie Lohn der Mühsal, etwas erreicht zu haben.  

Diese Gefühle auf anderen Wegen zu erhalten, z.B. durch Zuckerkonsum, hat drogenartige Aspekte, da die Gefühle dann keine verankerte Basis im Menschen haben, sondern durch äußere Zufuhr erlangt werden müssen. Dieser Bezug ist im Begriff „brown sugar“ deutlich erkennbar (brown sugar = Heroin).  

In der homöopathischen Erforschung der Zuckerkraft ergeben sich, je nachdem ob eine Konzentration auf den Ausdruck der natürlichen Zuckerkraft im Leben des Menschen oder auf den mineralischen, raffinierten Zucker, der zu Missbrauch und einem Übermaß des Zuckerkonsums führt, stattfindet, unterschiedliche Erkenntnisse. Diesen Unterschied klar wahrzunehmen, ist wichtig, um die Zuckerkraft zu verstehen. 

In der dritten Phase der C1-Verreibung geht es um den Ausdruck des Zuckers im geistigen Raum und um ein geistiges Verständnis der Zuckerkraft. Der Zucker (Energie) bringt uns zur Arbeit. Arbeit führt zu materiell wahrnehmbaren Ergebnissen. Aus der Erkenntnis dieser Tatsache erwächst ein kausales Verständnis des Weltgeschehens. Es gibt Ursache und Wirkung und Gesetzmäßigkeiten.  

Auch im geistigen Raum besteht die Möglichkeit eines „Missbrauchs“ der Zuckerkraft. Beruht die Erkenntnis von Ursache und Wirkung nicht auf eigener Erfahrung und Arbeit, sondern gilt sie in Form von Glaubenssätzen, die nie selbst erfahren wurden, führt dies zu einem Verkennen der Realität und einer Lebenshaltung, dass Wissen ohne eigene Mühsal erreichbar ist. Dabei bleibt der Mensch geistig unselbständig. Das, was er vom Leben weiß, ist nicht seine eigene Erfahrung. Er muss sich für sein Verständnis und sein Handeln auf die Erkenntnisse und die Erfahrungen anderer berufen. Auch dieser Mangel an Eigenem führt zu einer verstärkten Nachfrage nach Fremdem, um ihn zu füllen. 

Die vierte Phase der C1-Verreibung beschäftigt sich mit dem Bezug der höheren Seele zur Zuckerkraft. Der Seele stellt der Zucker die Voraussetzungen für ihr irdisches Dasein. Die Funktion der irdischen Körper (physischer Körper, Gefühls- und Geistkörper) wird durch den Zucker bereit gehalten. Ein Übermaß des Zuckers führt hier tendenziell zu einer Entfremdung der irdischen Körper von der Seele. Mit der „Süße“ des Zuckers erhält die Existenz dieser Körper so etwas wie einen eigenen Sinn, der sie von der Bestimmung der Seele trennt.  

In der fünften Phase der C1-Verreibung geht es um den Ausdruck des Zuckers in der kollektiven Dimension. Der Menschheitskörper ist als Ganzes in das Wirken der Zuckerkraft gebunden. Er leistet als Ganzes Arbeit und hat so seinen Bezug zum Zucker. Innerhalb des Menschheitskörpers kann das zu einer sehr unterschiedlichen Beteiligung der einzelnen Individuen an der Gesamtarbeit und zu Prozessen der Ausbeutung und Unterdrückung führen. Die Zuckerkraft sorgt dafür, dass die notwendige Arbeit insgesamt von der Menschheit geleistet wird. Das Bemühen der Individuen um ein Übermaß an Zucker und nach Befreiung von der irdischen Mühsal führt zwischen ihnen zu Raub und Ausbeutung. Hier wird für uns Menschen eine ganz schwarze Seite des Zuckers Wirklichkeit. Großes Leid kommt über die Menschheit und erzwingt die Orientierung an der Seelenbestimmung und den kollektiven Aufgaben. Die gesamte Tragweite dieser Prozesse für das einzelne Individuum und seine Einbindung in Schicksal und Bestimmung sind für uns Menschen nur ansatzweise erkennbar.  

In der sechsten Phase der C1-Verreibung wird die Kraft des Zuckers in der ihr innewohnenden Qualität vorgestellt. Sie sorgt dafür, dass das irdische Leben die notwendige  Energie hat.  

So hat die C1-Verreibung das Thema des Zuckers in seinen Dimensionen vorgestellt. Nun gilt es, diese Erkenntnis an den Tatsachen des Lebens zu überprüfen und die Erkenntnis in jeder Dimension zu vertiefen (Arbeit!).