Aus dem Skript "Cuprum sulfuricum - Blaustein Teil II"
Eine
Entwicklung des Verständnisses
Wenn man auf so ein Verreibungsprotokoll und das sich
daraus ergebende Arzneimittelbild schaut, dann bleiben zu seiner Entstehung
und Bedeutung viele offene Fragen. Wie kommt es zu den geschilderten
Erfahrungen? Welche Erkenntnisse lassen sich daraus gewinnen? Leicht lässt
sich der Umfang der Fragen erweitern. Antworten zu finden, ist schon schwerer.
Ich möchte hier wiedergeben, wie sich mein Verständnis
des Verreibungsvorgangs und der Wirkung homöopathischer Arzneikräfte
aus den Erfahrungen des Herstellungsprozesses (Verreibung) und durch
Arzneimittelprüfungen entwickelt hat.
Als ich 1997 das erste Mal von den Verreibungsphänomen,
die sich während und aus dem homöopathischen Herstellungsprozess
(Verreibung) ergeben, hörte und meinen ersten Versuch mit der Verreibung von
Helleborus bis zur C5 wagte, begann ein Prozess intensiven neuen Erlebens und
Lernens. Ich verwandte anfangs wenig Gedanken darauf, wie es zu den von mir
erlebten Phänomenen während einer Arzneiherstellung kommt, sondern ich
versuchte hauptsächlich, offen und unvoreingenommen zu beobachten, was ich während
des Verreibungsvorgangs erfahren konnte. Eine reiche Welt eröffnete sich so.
Was ich in den Verreibungen erlebte und erkannte, ließ sich fruchtbar in mein
Leben, die Verwendung und das Verständnis homöopathischer Arzneimittel einfügen.
So kam eine Erfahrung zur anderen. Da die gesamte Homöopathie in ihrer
Wirkweise im Rahmen unseres heutigen wissenschaftlichen Verständnisses nicht
erforscht und in dieser Beziehung unverständlich ist, ist man bei einer Beschäftigung
mit ihr immer ganz wesentlich auf ein unvoreingenommenes Beobachten der
auftretenden Phänomene angewiesen. Dieses Vorgehen auf den Verreibungsvorgang
zu übertragen, lag somit auf der Hand.
Der Vorteil dieses offenen und unvoreingenommenen
Vorgehens ist, dass keine allgemein vorgegebenen geistigen Modelle und
Theorien die Möglichkeit, Erfahrungen zu machen, eingrenzen. Andererseits
ergibt sich aber auch das Problem, dass für eine Interpretation und
Einordnung des Erlebten in den Rahmen unserer herrschenden Weltsicht
Bezugspunkte fehlen und so mangels Alternativen leicht auf eine archaische
Weltsicht zurückgegriffen wird. Das Erlebte lässt auf eine Welt voller Wesen
und Kräfte, die unser Leben beeinflussen, rückschließen, und wir neigen
dazu, das innerlich während des Verreibungsvorgangs „Gesehene"
konkretistisch zu verstehen, als wenn es sich in der äußeren Welt ereignet hätte.
Ein solches Weltverständnis steht im Widerspruch zur herrschenden Weltsicht,
was eine Kommunikation mit anderen Menschen behindert, und auch in einem
selbst entwickelt sich ein Widerspruch zu den Erfahrungen des Alltags und
ihrer Interpretation.
Mich selbst hat diese Problematik zuerst wenig beschäftigt.
Denn dieses aufgezeigte Dilemma gilt ja in einem gewissen Ausmaß für jede
Beschäftigung mit der Homöopathie. Zudem war es für mich erst einmal überaus
bereichernd, einer „Innenschau“ oder inneren Wahrnehmung immer mehr Raum
geben zu können. Mein Verständnis von Wirklichkeit erweiterte sich um die
„innere Wirklichkeit" des Menschen. Diese hatte es natürlich schon
zuvor gegeben, doch nun rückte sie unübersehbar und bewusst in den
Mittelpunkt einer Forschung. Das war eine bedeutende Vergrößerung meiner
Welt gegenüber einer Begrenzung der Wirklichkeit auf das, was der
Sinneswahrnehmung zugänglich ist, wie es dem weltanschaulichen Positivismus
(Materialismus) und dem gängigen Verständnis von Realität entspricht. Auch
die Beobachtung des Erlebens anderer „Verreiber“ bestätigte zunehmend
meine Erweiterung des Realitätsverständnisses. Was sich aus den gemachten
Erfahrungen ergab, war also ein umfassender Empiriebegriff: Innen- und Außenwelt
sind Gegenstand menschlicher Erfahrung und Wirklichkeit.
Damit war meine Beschäftigung mit der Homöopathie
eingebettet in eine Weltsicht, wie sie dem archaischen Menschen eigen ist,
dessen Realität die Sinneserfahrung und die Seelensicht umfasst, oder wie sie
in die moderne Wissenschaft insbesondere durch die Forschungen von Sigmund
Freud eingeführt worden ist und unter anderem von C. G. Jung weiter ausgebaut
wurde (Tiefenpsychologie). Im Kern stützen sich die Erkenntnisse von Freud
und Jung auf die Erforschung der Träume des Menschen, die gezeigt haben, dass
hier eine eigenständige psychische Wirklichkeit zum Ausdruck kommt. Bezüglich
solch einer Einordnung meiner Erfahrung habe ich mir damals allerdings keine
Gedanken gemacht. Mich beschäftigte mehr die Auslegung der Erlebnisse meiner
Innenschau.
Deutlich wurde für mich, dass ich die Ergebnisse
meiner inneren Wahrnehmung auch selbst verstehen und in mein bewusstes
Weltverständnis und Handeln einordnen muss. Wie war das, was ich wie eine
Begegnung mit Wesen, Kräften und Mächten erlebte, was wie eine übernatürliche
Offenbarung schien, aber doch meinem inneren Erleben entwachsen war,
einzuordnen? Der erste Schritt, der mich vollständig in Anspruch nahm, war,
die Bilder, Texte, Geschichten, Gedichte, die mir begegneten, zu verstehen.
Sie berichteten von dem Wirken einer Arzneikraft oder archetypischen Kraft im
Leben des Menschen. Sie erweiterten mein Verständnis und meine Erfahrungen über
die menschliche Entwicklung, über Krankheit, Heilung und Gesundheit.
Die Bezeichnung „Archetyp" gewann immer mehr an
Berechtigung, denn die Arzneikraft zeigte sich in ihrer urbildlichen Qualität
in den verschiedenen Lebensbereichen und Dimensionen menschlichen Seins.
Ebenso bewährten sich die Erkenntnisse als Grundlage der Verordnung homöopathischer
Arzneien, wenn es gelang, den Archetyp, diese urbildliche Qualität, im
Menschen wiederzufinden. So hatte sich folgender Stand ergeben: Die Phänomene
aus dem Verreibungsprozess müssen offen und unvoreingenommen wahrgenommen
werden (1), die Wirklichkeit für unsere Erfahrungen und empirische Forschung
umfasst die Außen- und Innenwelt (2), die Erfahrungen bzw. „Bilder"
aus der Verreibung und zum Teil auch aus der Arzneimittelprüfung
bedürfen einer Interpretation, und daraus ergibt sich die Erkenntnis
einer urbildlichen Qualität der Arzneibilder (Archetypen) (3).
Doch damit war noch nicht beantwortet, wie mein Verhältnis
zu den Bildern, Texten, Gedichten und Geschichten ist, die sich während einer
Verreibung oder auch aus einer Arzneimittelprüfung ergeben. Sind das übernatürliche
Offenbarungen, sprechen hier andere Wesen oder Mächte? In vielem hat es den
Anschein, als sei das so. Doch mein Gespür sagte und sagt mir, dass es eher
um die Äußerung eines mir zugehörigen Bereichs geht. Zugleich war diese
Problematik der Zuordnung und des Verständnisses der Verreibungsphänomene
auch bei vielen anderen Verreibern zu beobachten. Diese Außensicht zeigte mir
auch, dass es tiefgreifende Schwierigkeiten einer Integration der Erfahrungen
aus den Verreibungen gibt.
Hier erwiesen sich für mich nun die Erkenntnisse der
Tiefenpsychologie zur Projektion als
ausgesprochen hilfreich für ein Verständnis und eine Integration der
gemachten Verreibungserfahrungen. Die Projektion setzt das Unbewusste voraus.
Dabei sind für mich die
Erkenntnisse von C. G. Jung zum kollektiven Unbewussten besonders aussagekräftig.
Wir Menschen finden über die Projektion Zugang zum kollektiven Unbewussten
und den darin verborgenen Archetypen. Der Mensch sieht und erlebt das in der
Außenwelt, was in seiner eigenen Struktur (in seinem Unbewussten) bereits
angelegt ist. Er projiziert seine Innenwelt, die unbewusster Teil seines Seins
ist, in die Außenwelt, um sie so zu erfahren. Das ist ein ständiger
Lebensprozess, der keinesfalls willentlich gesteuert werden kann. Im Leben
gelingt dem Menschen dann mehr oder weniger gut eine Integration des dem
Unbewussten Entstammenden und nach außen Projizierten in sein bewusstes Sein
(Ich-Welt). Angewandt auf meine Erfahrungen aus den Verreibungen, bedeutet das
für mich, dass ich während der Verreibung Zugang zum Unbewussten finde. Was
ich als Erfahrungen und Ergebnisse der Verreibung erhalten habe, ist im Kern
Ausdruck des (kollektiven) Unbewussten, in dem alle archetypischen Kräfte
„verborgen" sind.
Dieses Verständnis ist für mich deshalb so überzeugend,
weil es doch offensichtlich zwei unterschiedliche Arten der Erfahrung gibt.
Wir kennen alle die sinnlich zugängliche Außenwelt, mit der wir uns im Leben
intensiv auseinandersetzen. Wir kennen auch unsere Innenwelt, die wir auch
erfahren und leben. Doch die Innenwelt in der gleichen Art zu verstehen wie
die Außenwelt, d.h. alle Erlebnisse aus unserem Inneren in unser bewusstes
Verständnis so konkret wie die Erfahrungen der Außenwelt aufzunehmen,
vernachlässigt den Unterschied der beiden Erfahrungsbereiche. Begegnet mir in
einem Traum oder in einem bewussten Eintauchen in die Innenwelt, wie während
einer Verreibung, ein Engel, so ist das nicht das gleiche, als wenn ich mit
meinen Augen sinnlich wahrnehmbar in der Außenwelt einen Engel sehe. Ohne
Zweifel habe ich in beiden Fällen Zugang zu einem gleichartigen
„Urbild" erhalten und doch bestehen auch nicht übersehbare, deutliche
und entscheidende Unterschiede. Die Innenwelt ist eben nicht die Außenwelt.
Mein Verständnis für die Innenwelt, das Unbewusste
ist bezogen auf die Erfahrungen aus den Verreibungen, dass wir hier den
Urmustern des Menschseins begegnen. Wenn man es technisch ausdrückt, enthält
das Unbewusste die „Blaupause" des Menschseins oder, biologisch
verstanden, das „arteigene Muster", das phylogenetisch erworben ist.
Welche Ausdrucksweise auch immer gewählt wird – und alle Ausdrucksweisen
sind unzureichend –, im Unbewussten sind alle Vorgaben, Muster,
Bestimmungen, Entwürfe enthalten, die im sinnlich wahrnehmbaren, materiellen
Leben ihre Verwirklichung finden können (und sollen). Dem begegne ich während
einer Verreibung, und zwar ganz gezielt, je nachdem welchen Stoff ich für den
Verreibungsvorgang ausgewählt habe.
Das Unbewusste zeichnet sich somit auch durch eine
Vollständigkeit aus. Wobei es durchaus als sich entwickelnd angesehen werden
kann. Zwischen der bewussten Welt und dem Unbewussten ist eine beidseitige
Kommunikation und eine gegenseitige Beeinflussung möglich. Doch in dem
arteigenen Muster ist auch ein vollständiger Entwurf enthalten. Es sind auch
alle Entwicklungsstufen unseres Menschseins, ja der gesamten Schöpfung
enthalten. Für mich ergibt sich ein Bild eines sich immer mehr
differenzierenden Entwicklungsbaums – sozusagen eines Abbilds der Schöpfung.
Die Basis bilden grundlegende Muster, wie wir sie materiell in Metallen oder
anderen chemischen Elementen kennen. Es folgen Muster chemischer Verbindungen,
wie von Salzen, Mineralien, Kohlenstoffverbindungen, niedrigen Lebewesen,
Pflanzen, Tieren, Menschen. All das gehört in unser arteigenes Muster. Es
zeichnet den gesamten Schöpfungsweg oder, mehr biologisch ausgedrückt, die
gesamte Evolution nach. Auf diese Urbilder greifen wir zurück, wenn wir mit
dem Unbewussten in Kontakt treten, was ständig geschieht.
Die Tiefenpsychologie, die auf den Erkenntnissen C. G.
Jungs beruht, kennt das Selbst. Die gesamte Psyche ist im Unbewussten
zentriert. Das ganzheitliche Funktionieren der Psyche, einschließlich des
Bewusstseins, wird letztlich vom Unbewussten geregelt. Das im Unbewussten
gelegene spontanaktive Ganzheitszentrum bezeichnete Jung, um es vom Ich, dem
Zentrum des Bewusstseins, zu unterscheiden, als Selbst. Zwischen Ich und
Selbst besteht ein Austausch. In der tiefenpsychologischen Praxis gilt als
erwiesen, dass, wenn das Ich die Botschaften des Unbewussten missachtet, es zu
Störungen der Psyche kommt, die Neurosen genannt werden.
Das Unbewusste ist also eine dem Individuum übergeordnete
Instanz, die die „Bestimmung", eine „Ganzheit", einen Entwurf für
eine „heile" Seinsform enthält, die sich im individuellen Leben Aspekt
für Aspekt verwirklichen kann/soll. Ein Bezug auf dieses artspezifische
Entwicklungsmuster ist für den Menschen heilsam. So kann die Homöopathie als
ein Heilungsverfahren verstanden werden, das genau hier ansetzt.
Über die Arznei ist ein spezifischer Bezug zu einer archetypischen
Kraft (einem Urbild) möglich.
Das lehren uns die Ergebnisse der Verreibungen und auch die Arzneimittelprüfungen.
Eine Pathologie ist nach diesem Verständnis eine
(noch) nicht gelungene, unvollständige, einseitige oder auch gestörte
Ausbildung einer archetypischen Kraft im menschlichen Leben. Die Entwicklung
und Entfaltung des Urbilds im individuellen Menschen kann nicht stattfinden,
sondern bleibt unharmonisch und einseitig. Dabei ist zu unterstellen, dass
genau die archetypische Kraft, deren unvollständige nicht gelungene
Ausbildung die Pathologie hervorruft, aus höherer Sicht (Selbst) im Menschen
ihren Ausdruck finden soll. Die Krankheitssymptome des Menschen zeigen die
nicht gelungene Ausbildung. Hierbei ist zu beachten, dass es sich im
Lebensprozess um einen Dialog zwischen dem Unbewussten und dem bewussten
Bereich des Menschen handelt und dass Ich und Bewusstsein autonom nach ihren
Kriterien das menschliche Leben zu gestalten versuchen. Störungen des Dialogs
sind dabei wohl nicht vermeidbar.
Das homöopathische Prinzip „similia similibus
curentur" scheint für die Wahl und Wirkung des heilenden Archetyps von
besonderer Bedeutung zu sein. Man muss ja davon ausgehen, dass genau die
archetypische Kraft, deren Ausbildung gestört ist, nach höherer Sicht in das
Leben des Menschen treten soll. Die einseitige, polare und gestörte
Entfaltung der archetypischen Kraft im Menschen, die sich in den
entsprechenden Krankheitssymptomen zeigt, wird durch die Verstärkung des
Einflusses des Archetyps im Menschen aufgehoben. Über das besondere Prinzip
der Acht kommt es zu einem Ausgleich (Kontakt mit dem Gegenpol der
archetypischen Kraft). Die Aufhebung einer polaren Trennung der archetypischen
Kraft führt zur Heilung. Das gilt immer dann, wenn eine Pathologie vorliegt.
Das Prinzip der Acht bezeichnet die Tatsache, dass sich aus der Entwicklung
eines Pols des Archetypen, unausweichlich, wie beim Zeichnen einer Acht, der
Übergang zum anderen Pol und seine Ausbildung ergibt und es so zu einem
gesunden Ausgleich kommt.
Nun werden homöopathische Arzneien nicht nur dann eine
Wirkung haben, wenn eine Pathologie, d.h. ein einseitige, unausgeglichene
polare Wirkung eines Archetyps, der im Menschen seine Ausbildung finden soll,
vorliegt, wie es für die homöopathische Behandlung typisch ist. Ein Kontakt
zum Archetyp kann im Menschen auch Mangel beseitigen oder das Leben bereichern
und in neue Bahnen lenken. Auch das können Effekte einer homöopathischen
Behandlung sein. Ganz tiefgreifende Folgen werden sich zeigen, wenn über die
homöopathische Arznei archetypische Kräfte berührt werden, die eine ganz
grundsätzliche und wesentliche Beziehung zum Lebensweg bestimmter Menschen
haben und hierbei wie eine Erinnerung an die Lebensaufgabe wirken. Eine
besondere Stellung nehmen offensichtlich auch die Drogenkräfte ein. Hier wird
die homöopathische Arzneikraft der Drogensubstanz wohl in den seltensten Fällen
ausreichen, den Menschen aus der Drogenabhängigkeit zu befreien. Aber auch
hier kann die homöopathische Arznei zu größerer Erkenntnis und Klarheit über
die Drogenkraft führen. Das ist ein wesentlicher Schritt für den Menschen,
um Zugang zu der Problematik zu erhalten, die durch die Droge überlagert und
verdrängt wird. Für diese Problematik muss dann wieder eine hierfür
passende Arzneikraft (Archetyp) gefunden werden.
So ist mein heutiges Verständnis aus den Erfahrungen
des Verreibungsvorgangs. Neben Offenheit, erweiterten Empiriebegriff und
Archetyp ist noch ein Verständnis für die übergeordnete Stellung des
Unbewussten getreten. Diese übergeordnete Stellung gibt dem Tatbestand, dass
sich in unseren bewussten Leben archetypische Kräfte ausbilden sollen und müssen,
besonderes Gewicht. Ist dieser Prozess aus welchen Gründen auch immer gestört,
dann muss auch der gesamte menschliche Organismus mit allen seinen materiellen
und immateriellen Anteilen in seiner Funktion gestört, d.h. krank sein.
Gelingt die Ausbildung der archetypischen Kraft, so wie es aus höherer Sicht
vorgesehen ist, besteht Gesundheit oder tritt Heilung ein. Wie es zu den Störungen
kommt, ob hier das autonome System der Ich-Welt eine besondere Stellung
einnimmt oder weitere Faktoren von Bedeutung sind, soll offen bleiben. Ebenso
soll auf weitere Differenzierungen des Verständnisses an dieser Stelle
verzichtet werden. Auch werden keine Antworten gegeben oder versucht, warum
oder zu welchem höheren Sinn die Prozesse laufen. Vielmehr ist mir bewusst,
dass ich versuche, die Welt in Modellen zu verstehen, und diese Modelle den
Stand heutigen Wissens und der Ergebnisse heutiger Forschung nicht vernachlässigen
sollten. Keinesfalls ist damit gesagt, eine archaische Weltsicht sei falsch.
Sie ist nur nicht zeitgemäß, und meiner Erfahrung nach kann das eine
Integration der eigenen Lebenserfahrungen in das bewusste menschliche Leben
erschweren. Mein Anliegen ist es, das, was sich an Erfahrungen im
Verreibungsprozess ergibt, fruchtbar und heilsam in unser bewusstes Sein
einzufügen.